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17.05.2012 Optimismus ist Pflicht bei der TuS Koblenz
Fußball-Regionalliga - Unter den Begriffen, die den "Markenkern" des Fußball-Regionalligisten TuS Koblenz ausmachen sollen, findet sich neben A wie "Alleinstellung" und Z wie "Ziele" auch der Begriff "Optimismus". Den brauchen sie auch bei der TuS, denn die Lage beim klassenhöchsten Klub der Region ist nach wie vor ernst, wenn auch nicht hoffnungslos.
Bei der erstmals durchgeführten Jahrespressekonferenz der TuS erläuterte Geschäftsführer Thomas Theisen, dass der Etat für die kommende Saison in der neuen Regionalliga Südwest wie in diesem Spieljahr 1,5 Millionen Euro betragen soll. Theisen räumte allerdings auch ein, dass an dieser Summe noch rund 400 000 Euro fehlen. Um diesen Betrag einzutreiben, sei es über einen neuen Hauptsponsor, sei es von Partnern aus dem regionalen Mittelstand, hat Theisen neue Freiräume gewonnen. Ulrich Schulte-Wissermann soll vom 1. Juli an die Geschäftsstelle der TuS leiten und administrative Aufgaben übernehmen, wodurch Theisen mehr Freiheiten bekommt für das, was er als seine eigentliche Stärke bezeichnet: die Suche nach Sponsoren.
"Das kann ich, und ich werde alles geben", versichert Theisen, verweist allerdings auch auf die Binsenweisheit: "Wir brauchen das entsprechende sportliche Auftreten der Mannschaft, denn wirtschaftliche Sanierung und sportlicher Erfolg bedingen einander."
An letzterem hat es in der zu Ende gehenden Saison gehapert; "Wir wollen am Samstag gewinnen und nicht Letzter werden", formuliert Theisen das Minimalziel für das finale Saisonspiel gegen die SV Elversberg. Dass es zu mehr nicht gereicht hat, ist indes kein Wunder: "Viele haben vergessen, wie wir vor einem Jahr gestartet sind", sagt Theisen, "ich nicht." Die Mannschaft war eine Notlösung, dass sich Trainer Michael Dämgen zuletzt für ausbleibende Erfolge von sogenannten Fans beschimpfen lassen musste, ist für Theisen "eine Unverschämtheit".
Zur neuen Saison will die TuS eine schlagkräftigere Mannschaft auf die Beine stellen; zwölf Spieler stehen bereits fest, darunter Verteidiger Johannes Göderz, der trotz Angeboten aus der Dritten Liga zugesagt hat, weiter für die TuS zu spielen, sowie Neuzugang Daniel Bartsch, ein Verteidiger aus der Talentschule des 1. FC Köln, der zuletzt für den Ligarivalen Fortuna Köln gespielt hat.
Offen ist derzeit unter anderem noch die Zukunft von Michael Stahl und Thomas Gentner, die ebenfalls Angebote von höherklassigen Klubs haben, sowie die des Brasilianers Mineiro, der sich nach der Rückkehr aus seiner Heimat entscheiden soll und will.
Quasi nebenbei fielen in der Pressekonferenz zwei weitere Namen, die die TuS-Fans elektrisieren, weil sie für eine glorreiche Vergangenheit stehen: Aufstiegstrainer Milan Sasic will der TuS ehrenamtlich helfen, Ex-Kapitän Anel Dzaka, der gerade mit RW Oberhausen aus der Dritten Liga abgestiegen ist, steht mit seiner Familie vor der Heimkehr in sein Koblenzer Haus und vor der Rückkehr ins TuS-Trikot. "Er könnte der Führungsspieler sein, den wir brauchen", hofft Theisen.
Künftig sollen die Leistungsträger der TuS aus dem eigenen Stall kommen und in der "Schängel-Schmiede", wie der Überbegriff für den Jugend- und Amateurbereich lautet, herangezogen werden.
Die Schuldenlast von vier Millionen Euro, die die TuS am 1. Juli 2011 drückte, ist im vergangenen Jahr um 500 000 Euro reduziert worden. "Wir würden besser dastehen, wenn nicht pausenlos U-Boote auftauchten", sagt Theisen, "so haben wir beispielsweise für Beschädigungen am Dienstwagen eines Ex-Trainers einen fünfstelligen Betrag zahlen müssen."
Auch abseits des Sportplatzes will sich die TuS nachhaltig bemerkbar machen. Aufsichtsratsmitglied Bernd Linnig kündigte an, dass der Verein künftig noch mehr Wert auf die Kommunikation mit Fans, Unterstützern und der Öffentlichkeit legt. Dazu gehören eine neue Stadionzeitung, ein TuS-TV sowie die Fortführung der Ende März mit gutem Erfolg gestarteten Reihe "Ball-Kontakte", durch die der Klub mit potenziellen Sponsoren ins Gespräch kommen will.
Dass die Saison der Regionalliga West am Samstag ab 14 Uhr mit dem Heimspiel gegen die SV 07 Elversberg zu Ende gehen wird, ist klar. Nicht aber, in welcher Formation die TuS zum Ausklang auflaufen wird. Defensivstratege Johannes Göderz ist schon länger verletzt, hinzu gesellt sich nun auch Kerim Arslan, der sich einen Teilabriss des Außenbandes im linken Knie zugezogen hat. Mineiro weilt in Brasilien, Angelo Barletta plagen Nackenschmerzen, Jung-Hun Kim und Paul Lauer sind angeschlagen. Da ist Dämgen froh, dass Michael Stahl nach abgelaufener Gelbsperre wieder zur Verfügung steht.
Der TuS-Trainer hat nicht vor, den scheidenden Akteuren im Kader eine Art Abschiedsspiel zu bieten: "Es ist nicht sinnvoll, jetzt Experimente zu machen. Wir haben es auch in dieser Woche nicht schleifen lassen, sondern straff trainiert." Gut möglich oder sogar wahrscheinlich, dass Kohki Kazama in seinem letzten Spiel im blau-schwarzen Dress wieder von Beginn an aufläuft. "Er hat seine Sache in Köln relativ gut gemacht", erläutert der Koblenzer Coach und ergänzt: "Auch Tobias Bauer hat die Chance zu beginnen." Ob Jura Gros unmittelbar vor seiner Demission zu den Auserwählten zählt, die auf dem Oberwerth noch einmal gegen den Ball treten dürfen, ist eher fraglich. In Köln wechselte Dämgen ihn zur zweiten Halbzeit ein und kurz vor Schluss wieder aus - "Höchststrafe" nennt man das im Fußballer-Jargon.
Für die gegnerische SV 07 Elversberg geht es im Prinzip nur noch darum, wo sich die Mannschaft im unteren Mittelfeld der Tabelle einfädelt, ein Platz zwischen 11 und 14 ist rechnerisch möglich. Für die TuS geht es gegen die Elf von Trainer Jens Kiefer darum, das enttäuschende Hinspiel-0:3 vor eigenem Publikum wettzumachen. "Das war das erste Spiel, wo wir so richtig daneben lagen", erinnert sich Dämgen nur ungern. Und: "Außerdem wollen wir ja nicht als Letzter abschließen, also müssen wir schon was holen." kif, bhm
Das erste TuS-Training der neuen Saison steht am Donnerstag, 21. Juni, um 18 Uhr im Stadion Oberwerth auf dem Programm.
Quelle Rhein-Zeitung 17.05.2012 http://rhein-zeitung.de
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