12.12.2011      TuS löst die Handbremse erst nach dem 0:2

Koblenz - Drei Punkte für den Sieg, einer für ein Unentschieden – nur wer gewinnt, kommt in einer Fußballtabelle voran. Nach dem 2:2 (1:2) gegen die zweite Mannschaft des 1. FC Köln – dem neunten Remis dieser Saison – macht TuS Koblenz einmal mehr die Erfahrung, dass mithalten allein nicht genügt, um den Keller der Regionalliga West zu verlassen.

„Hätten wir stattdessen dreimal gewonnen und dreimal verloren, stünden wir besser da“, weiß auch Michael Dämgen, dass das erneute Unentschieden – nach dem Spielverlauf eher ein Punktgewinn – zu wenig ist, um nach 18 Vorrundenspielen zufrieden sein zu können.

So sehr den Koblenzer Trainer die Aufholjagd in der zweiten Halbzeit freute, „als wir endlich entschlossen in die Zweikämpfe gegangen sind“, so sehr ängstigte Dämgen, „wie wir die Kölner und den Ball in der Anfangsphase laufen ließen“. Mit dem 0:2 sei man nach einer halben Stunde gut bedient gewesen, schloss sich der Koblenzer Trainer seinem Kölner Kollegen an, der bemängelte, „dass wir ein 3:0 oder 4:0 versäumt haben.“ Dirk Lottner zeigte sich sehr enttäuscht: „Wir haben zwar so gut wie lange nicht mehr begonnen, dann aber den Gegner aufgebaut und uns selbst aus dem Rhythmus gebracht.“

Was der Spielverlauf belegt, denn zunächst schien die TuS angesichts des flotten Kölner Kombinationsflusses in Ehrfurcht zu erstarren und sich nach zwei Gegentreffern frühzeitig mit einer Niederlage abzufinden. Zeitlupenfußball hier, schnelle Aktionen dort – irgendwie erinnerten die Koblenzer Spieler an Schüler, die aus Versehen in eine zu hohe Klasse versetzt wurden und dort dem psychischen Druck nicht gewachsen sind. Kölns Spitze Mark-Alexander Uth hatte wenig Mühe, sein persönliches Torkonto von sieben auf neun zu schrauben (13. und 19.). Und die TuS konnte von Glück reden, dass ein Heber des bisherigen Topscorers Thiemo-Jerome Kialka zwar über Keeper Kadir Yalcin hinwegging, aber nur am Pfosten landete. „Nach der schwachen Vorstellung in Elversberg war die Verunsicherung sehr groß“, fasste Dämgen die erste halbe Stunde als Mischung aus Respekt und Angst zusammen.

Dass die Gastgeber ins Spiel zurückfanden, verdankten sie Carlos Luciano da Silva, genannt Mineiro. Dem war zwar zunächst – wie einigen seiner Mitspieler auch – ein Ball versprungen, doch der Brasilianer setzte energisch nach und konnte von Berkan Karadeniz nur regelwidrig gestoppt werden. „Ein dummes Foul“, gestand Dämgen, „aber entscheidend war, wie sich Mineiro hier gezeigt hat.“ Anders gesagt: Mineiro versteckte sich in diesem Moment nicht, ging den geraden Weg und hatte Erfolg. Schiedsrichter Stein blieb jedenfalls keine andere Wahl, als auf den Elfmeterpunkt zu zeigen, und Michael Stahl versenkte den Strafstoß im Kölner Netz (33.).

„Danach haben einige endlich die Handbremse gelöst und ebenfalls den Weg nach vorne gesucht“, sah der Koblenzer Trainer plötzlich ein Team, das selbst die Initiative ergriff. Und nach 49 Minuten eine Belohnung verdient gehabt hätte, doch Jura Gros‘ Direktabnahme ließ nur die Latte des Kölner Tores krachend beben. Den Lohn der Mühe erntete schließlich Tokio Nakai, der nach präziser Flanke des eingewechselten Michael Urwin mit dem Kopf das 2:2 erzielte (74.).

In der Schlussphase erlebten die versöhnten Koblenzer Fans einen offenen Schlagabtausch. Und mussten dann noch eine Schrecksekunde überstehen, als Patrick Nonnenmann erst einen Ball vertändelte, dann schwach abspielte, und schließlich – vielleicht im übereifrigen Versuch einer Wiedergutmachung – Kölns Torschützen Uth foulte. Für den Unparteiischen eine Rote Karte (76.), für Dämgen eine überzogene Entscheidung: „Gelb hätte es auch getan.“ Aber selbst in Unterzahl suchte die TuS den Sieg und hatte ihn durch Kapitän Angelo Barletta sogar auf dem Fuß. Was bei allem Respekt vor der Koblenzer Leistungssteigerung, die auch Lottner anerkannte, dem Spielverlauf jedoch nicht gerecht geworden wäre.

Von unserem Mitarbeiter Edgar Benz

Koblenz: Yalcin – Göderz, Nonnenmann, Barletta, Gentner (71. Urwin) – Gros, Mineiro, Stahl, Klasen (26. Kim) – Nakai, Sasse (65. Hawel).

Köln: Schwabke – Kübler, Schwellenbach, Makino, Hector – Vaaßen (80. Spinrath), Akbari, Bisanovic (62. Hörnig), Karadeniz (80. Musculus) – Uth, Kialka.

Schiedsrichter: Thomas Stein (Homburg).

Zuschauer: 1767.

Tore: 0:1 Uth (13.), 0:2 Uth (19.), 1:2 Stahl (33., Foulelfmeter), 2:2 Nakai (74.).

Rote Karte: Nonnenmann (76., Koblenz) wegen groben Foulspiels.

Gelbe Karten: Barletta, Göderz – Hector, Makino, Schwellenbach.


Jura Gros: „Platz 14 liegt noch in Reichweite“

Koblenz - Mit zwei erzielten Toren steht Jura Gros in der vereinsinternen Wertung der TuS Koblenz hinter Michael Stahl (sechs) und Tokio Nakai (drei) auf Platz drei. Den Mann mit der Nummer acht daher als offensiv orientierten Spieler zu bezeichnen, hält er aber für überzogen: „Am liebsten spiele ich zentral im defensiven Mittelfeld, dafür bin ich ja auch nach Koblenz geholt worden.“

Zuletzt hatte ihn Trainer Michael Dämgen aber verstärkt auf der rechten Seite eingesetzt. Dort durfte er auch gegen den 1. FC Köln II ran und hätte dabei auch fast Saisontor Nummer drei fabriziert, allein die Latte des gegnerischen Gehäuses stand dem Erfolgserlebnis in der 49. Spielminute im Weg. Bei den beiden bisherigen Toren stand ihm auch ein wenig das Glück in Form zweier indisponierter Keeper zur Seite. Gegen den Wuppertaler SV (1:1) lenkte Sascha Samulewicz den Ball genau vor die Gros-Füße, beim 3:3 gegen den SC Idar-Oberstein ließ Georg Borschnek seinen haltbaren Freistoß passieren.

Das aktuelle Spiel gegen Köln bewertet er wie folgt: „Die erste Halbzeit war so schlecht wie die in Elversberg“, schüttelte Gros noch im Nachhinein den Kopf: „Es ist mir ein Rätsel, warum wir erst immer so spät ins Spiel finden.“ In 16 von nunmehr 18 Regionalliga-Partien durfte der 23-Jährige mitmischen, fünfmal spielte er dabei über die volle Distanz – wie jetzt gegen die zweite Mannschaft der „Geißböcke“.

In der Jugend kickte Gros für die Spfr Eisbachtal, den 1. FC Köln und den FSV Mainz 05. Im Seniorenalter hielt es ihn seit 2006 nie länger als ein Jahr bei einem Verein: TSG Wörsdorf, RSV Weyer, wieder Wörsdorf, SpVgg Hadamar und FSV Würges hießen die Stationen, bevor es ihn dann zumindest für ein Jahr zur TuS Koblenz zog. „Das hatte auch berufliche Ursachen“, begründete der in Syktywkar (Russland) geborene und mittlerweile in Wehen sesshafte Gros die häufigen Wechsel.

Die 65 Kilometer lange Strecke vom Wohnort bis zum Stadion Oberwerth nimmt er fast täglich auf sich, das hält den Mann mit den fünf Tattoos aber offensichtlich nicht davon ab, an eine Verlängerung seines bis Juni 2012 datierten Vertrages zu denken: „Klar möchte ich in Koblenz bleiben. Ich hoffe ja auch, dass es im nächsten Jahr besser läuft. Platz 14 sollte für uns noch drin sein, wenn wir anstelle der vielen Unentschieden auch mal öfter gewinnen.“ Worte, die nicht nur sein Trainer sicher gerne hört.

Von unserem Mitarbeiter Bodo Heinemann


TuS II ärgert erneut einen Titelkandidaten

Koblenzer Reserve spielt 1:1 in Mehring

Von unserem Mitarbeiter Andreas Arens

Mehring. Wieder hat die TuS Koblenz II einen der „Großen“ in der Fußball-Rheinlandliga geärgert. Nach den Remis gegen Lokalrivale Rot-Weiß (0:0) und die Sportfreunde Eisbachtal (2:2) gab es gestern ein 1:1 beim bisherigen Tabellenzweiten, dem SV Mehring. Damit hat das Team von Coach Markus Breitbach seine Serie auf insgesamt vier Spiele ohne Niederlage ausgebaut.

Die Gäste konnten sich nach dem Abpfiff des souverän leitenden Unparteiischen Christian Walter aus Thomm nicht nur über den Punkt an sich, sondern auch über eine sehr gelungene Vorstellung freuen. Die Breitbach-Schützlinge präsentierten sich auf der Mehringer Lay als geschlossene Einheit und hatten bis zum energischen Schlussspurt der Hausherren sogar die besseren Chancen.

Die beherzte Spielweise der Regionalliga-Reserve wurde bereits in der vierten Minute deutlich: Nach Vorlage von Eldin Hadzic schoss Johannes Grober den Ball aus 16 Metern nur knapp über den Torwinkel. Mehring mühte sich, war aber meist zu ideenlos und agierte viel zu unpräzise im Aufbauspiel. Einzig der agile Ahmed Boussi brachte die ansonsten gut sortierte Hintermannschaft der TuS mit seinen Einzelaktionen ins Schwitzen. Wie etwa in der 21. Minute, als er in einer Eins-gegen-eins-Situation am vorzüglich parierenden Kevin Birk scheiterte. Wenig später eine von drei Koblenzer Großchancen vor dem Seitenwechsel: Jeset Akwapay bediente mit einem Pass in die Tiefe Kerim Arslan, der alleine auf Mehrings Keeper Thomas Hank zusteuerte, den Ball aber neben das Tor setzte (24.). In der 33. Minute zögerte Arslan vor Hank zu lange und konnte von Tobias Lorig noch erfolgreich abgedrängt werden. Zwei Minuten später schoss Robert Wagner drüber.

Waren die Breitbach-Schützlinge in der ersten Hälfte sogar das bessere, weil homogenere Team, gestaltete sich das Geschehen in Durchgang zwei zunächst ausgeglichen. Nachdem Lukas Klappert in Folge eines Zusammenpralls mit Verdacht auf Gehirnerschütterung raus musste, nutzte Boussi die Unsortiertheit auf der rechten Koblenzer Abwehrseite, um mustergültig in die Mitte zu flanken. Dort ließ Mario Kön TuS-Torwart Birk mit einem Kopfball aus drei Metern keine Abwehrmöglichkeit (65.). Fünf Minuten später schloss Johannes Grober eine Kombination über Tobias Bauer und Edis Ramovic zum Ausgleich ab (70.).

Mehrings Coach Wolfgang Hoor brachte kurz danach mit Sven Simon und Michael Fleck zwei frische Offensivkräfte – und die Gastgeber läuteten eine stürmische Schlussphase ein. Christoph Eifel scheiterte am Innenpfosten und schlenzte die Kugel knapp drüber (82., 84.), Sebastian Tings Schuss aus der zweiten Reihe wurde noch gefährlich abgefälscht (85.) – und in der 87. Minute rettete Kevin Birk spektakulär, indem er einen Kopfball von Ting per Hechtsprung aus dem Winkel fischte.

„Wenn wir einen Vollstrecker in unseren Reihen gehabt hätten, wäre hier sogar ein Sieg möglich gewesen. Mit dem Unentschieden können wir aber gut leben. Die Jungs haben hier viel Arbeit investiert und sind dafür belohnt worden“, resümierte Breitbach.

Koblenz: Birk, Klappert (63. Ok), Lauer, Tan, Dahm, Arslan (63. Ramovic), Akwapay, Grober, Wagner, Hadzic, Bauer.

Quelle Rhein-Zeitung 12.12.2011 http://rhein-zeitung.de